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Was Schlaf ist - und was nicht

Ein kleines Statement zum Babyschlaf.

Der Schlaf ist Gegenstand unzähliger Forschungen, und trotzdem in vielen Aspekten noch geheimnisvoll.

Im Schlaf entwickelt sich das Gehirn – vor allem, je jünger ein Mensch ist. Unser Geist wird aufgeräumt, unser Körper geheilt. Wir träumen und finden Erholung.

Viele Erwachsene quälen sich mit Einschlaf- und Durchschlafstörungen. 

Schlafentzug ist eine anerkannte Foltermethode.

Jeder Mensch hat in jedem Alter seinen eigenen Schlafrhythmus – er verändert sich das gesamte Leben. So schläft ein Baby häufig in kleinen Etappen, wacht nachts vielfach auf und muss sich vergewissern, dass es sicher und behütet bei liebenden Menschen ist. 

Je älter wir werden, desto mehr gelingt es uns, den Schlafbedarf in ein zusammenhängendes Zeitfenster, nämlich in die Nacht, zu legen. Werden wir älter, wird dieser zusammenhängende Schlaf abermals unterbrochen und auch der Tag vermehrt für Schlafphasen genutzt. Die meisten Kinder schlafen mit drei Jahren die Nacht durch – längst jedoch nicht alle, es kann durchaus bis zum fünften Lebensjahr und darüber hinaus dauern.


Je eher wir Kinder an das Alleine-Schlafen gewöhnen, desto länger benötigen sie tatsächlich, um alleine zu schlafen (auch wenn es anfangs zu funktionieren scheint, kommen Kinder teils bis ins Teenageralter noch ins elterliche Bett gekrabbelt).


Je mehr wir den Kindern in ihrem Bedürfnis nach Nähe und Kontakt entgegenkommen, desto selbstständiger entwickeln sie sich – vor allem langfristig betrachtet.

Es gibt Lerchen und Eulen, die Lerche geht zeitig ins Bett und ist früh morgens hellwach und ausgeruht, die Eule macht am liebsten die Nacht zum Tag und kommt morgens schlecht aus den Federn. Unter den Menschen gibt es mehr Eulen als Lerchen – zu welchem Schlaftyp wir gehören, ist in uns angelegt. Die meisten Menschen liegen irgendwo dazwischen. 

Jeder Mensch hat in jedem Alter seinen persönlichen Schlafbedarf. Ob ein Kind 10 oder 14 Stunden oder mehr oder weniger schläft, 2 Stunden oder 25 Minuten am Stück, ist grundsätzlich weder falsch noch richtig. Wichtig ist: geht es dem Kind mit seinem Schlafverhalten gut? Ist es ausgeruht, neugierig, fröhlich, anteilnahmsvoll, aufmerksam, hat es Appetit? 
Der Bedarf an Schlaf, den ein Mensch hat, ist nicht willentlich veränderbar.

Um den jeweiligen Schlafbedarf zu ermitteln, empfiehlt es sich, ein Schlafprotokoll über mindestens 7 Tage zu führen. Wenn der Schlafbedarf bekannt ist, lässt sich in einem bestimmten Rahmen der Rhythmus verändern – bei der Sommer- und Winterzeitumstellung machen wir das alle mit.


Einschlafen können ist, vor allem je jünger der Mensch ist, damit verbunden, eine Umgebung und eine Situation zu schaffen, in der Entspannung und Sicherheit empfunden werden kann. 

Einzuschlafen, ohne müde zu sein, ist nicht möglich. Oder kannst Du Dich dazu bringen, JETZT auf der Stelle einzuschlafen? 

Wie der Tag, so die Nacht. 
Also: angemessene Reize (dies ist für JEDES KIND INDIVIDUELL!). Draußen an der frischen Luft zu sein sorgt für einfacheres und schöneres (Ein-)Schlafen – bei allen, auch uns Erwachsenen.

Schlaf ist ein Entwicklungs- und Reifeprozess und damit ungeeignet für Erziehung. Es gibt keine erzieherische Maßnahme, die diesen Reifeprozess sinnvoll beschleunigen kann. Genauso wie Gras nicht schneller wächst, wenn man daran zieht.

Buchempfehlungen

Hier findest du noch viele weitere bindungs- und bedürfnisorientierte Infos zum Thema Babyschlaf

Imlau, Nora und Renz-Polster, Herbert: Schlaf gut, Baby!; GU Verlag
Erste Hilfe für Eltern. Die beiden Autor*innen ordnen lebensnah das Schlafverhalten unserer Kinder ein, absolut undogmatisch, warmherzig und klar.

Schmidt, Nicola: artgerecht – das andere Baby-Buch; Kösel Verlag
Schmidt, Nicola: artgerecht – das andere Kleinkinderbuch; Kösel Verlag 
Nicola Schmidt hat gemeinsam mit Julia Dibbern das artgerecht Projekt gegründet. Und ganz im Sinne dieses Projektes beschreibt sie in beiden Büchern viele Lebensbereiche junger Familien aus eben genau dieser Haltung heraus - klärt über Mythen und Märchen auf und bringt viele neue wissenschaftliche Erkenntnisse ein. Super easy zu lesen.

Lüpold, Sybille: Ich will bei euch schlafen; Verlag Herder GmbH
In diesem Buch findest du vor allem viel Input zu den Themen Schlafbegleitung und Schlaftrainings mit ihren Konsequenzen für die seelische und psychosoziale Entwicklung des Kindes in einer klaren Sprache.